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Stilübungen für Texter

Wer nicht schreibt, liest.

Vorab

Die kleinen Stilübungen für Werbe-Texter wurden inspiriert von dem französischen Schriftsteller und Surrealisten Raymond Queneau. Es geht darum, eine banale Begebenheit auf vielerlei Art und Weise zu variieren. Also beginnen Sie bitte mit der Begebenheit und tasten sich dann weiter. Jede Überschrift verrät die Stilvorgabe. Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht. Wer ein Exemplar haben möchte, kann sich an mich wenden. - Und machen sie so was bloß nicht mit Ihren Kunden! Viel Spaß beim Lesen.


Begebenheit

Der Kunde war zufrieden mit der Leistung und dem Preis. Der Rechnung sollte lediglich noch eine Liste der einzelnen Posten für die Buchhaltung folgen. Ich schickte ihm diese noch am gleichen Nachmittag und bedankte mich für den Auftrag.
Zehn Tage später erhielt ich das Geld und konnte meine Miete überweisen.


Untertrieben

Der Kunde war ganz zufrieden mit dem kleinen Gefallen, den ich für ihn nicht gerade langsam erledigt hatte. Die paar Piepen schienen ihn nicht zu kratzen. Seinen bescheidenen Wunsch nach einer kleinen Aufstellung der Posten für die Buchhaltung kam ich sofort nach. Nicht unhöflich versteht sich.
Nicht dreißig, nicht zwanzig, nein, schon zehn Tage später war das Geld auf meinem Konto. So konnte ich die Kleinigkeit einer Mietüberweisung erledigen. Meinem Vermieter sollte das nicht ungelegen kommen.


Übertrieben

Mein großzügiger Gönner empfing mich warmherzig und zeigte sich beglückt über mein trefflich gelungenes Werk. So dankbar war ich, dass ich seinem bescheidenen Anliegen, seiner bildhübschen Sekretärin eine Liste zu überstellen, mit der sie das Uhrwerk der Rechnungsabteilung füttern könne, umgehend nachkam, nicht ohne mich noch einmal ausdrücklich für die überaus gelungene Zusammenarbeit zu bedanken.
Binnen weniger rastlos verbrachter Tage überwies das Unternehmen die hart verdienten Silberlinge und versetzte mich so in die freudige Lage, eine Mietbagatelle begleichen zu können. Mein Vermieter begrüßte mich in der darauffolgenden Woche mit einem Lächeln, als wir uns auf dem festlich herausgeputzten Boulevard unserer kleinen Stadt begegneten.


Überrascht

Nicht zu glauben! Aber dieser seltsame Typ fand meine Arbeit richtig gut. Und was ich nicht zu hoffen gewagt hatte: Der Preis erschien ihm völlig angemessen. Ein bisschen irritierte mich sein Wunsch nach einer Aufstellung der Posten für die Buchhaltung. Aber nachdem er mir gesagt hatte, er brauche diese um seine Unterlagen zu vervollständigen, erledigte ich auch das noch.
Natürlich hatte ich Bedenken, dass er sich mit der Überweisung Zeit lassen würde. Aber, was soll ich sagen? Kaum zehn Tage später war die Kohle auf meinem Konto. Am selben Tag überwies ich aufgeregt die fällige Miete. Und wissen sie was? Als ich meinem Vermieter neulich begegnete, hat er mich richtig freundlich gegrüßt.


Doppelt

Mein Freund und Mentor war zufrieden und glücklich, dass ich Auftrag und Arbeit nun so schnell und gründlich abgeschlossen und erledigt hatte. Honorar und Entlohnung schienen ihm angemessen und kamen ihm nicht zu teuer vor. Seinem Wunsch seiner Forderung der Rechnung und Zahlungsbitte noch eine Aufstellung und Liste der einzelnen Leistungen und Erledigungen folgen zu lassen und nachzureichen, kam ich umgehend, d. h. am gleichen Nachmittag, nach und erfüllte so auch noch seinen letzten Wunsch. Nicht ohne mich noch einmal nachdrücklich und deutlich für die gute Zusammenarbeit und gelungene Geschäftsbeziehung zu bedanken.
Nach knapp zwei Wochen, also innerhalb von zehn Tagen, war die gesamte Summe meines Honorars ohne Abzüge auf meinem Konto eingegangen. Dank der Überweisung konnte ich am gleichen Nachmittag, es war 02. des Monats, meine Miete, also das Geld, das ich meinem Vermieter für den laufenden Monat schuldig war, anweisen und somit meinen Verpflichtungen nachkommen. Als ich meinem Vermieter und Hausbesitzer in der folgenden Woche, also sieben Tage später, auf der Straße, es war die sogenannte Hauptsraße begegnete, bemerkte und sah, begrüßte er mich freundlich und zuvorkommend und lächelte mir fröhlich zu.


Fabelhaft

Der Adler zog seine Schwingen ein und ließ sich nieder. Mit einem stillen Blick seiner scharfen Augen ließ er das Lamm wissen: “Es ist gut so. Ich stehe in deiner Schuld.” Überglücklich erhob sich das Lamm, von seiner Angst, mit Haut und Wolle verspeist zu werden, befreit, und trottete zurück in seinen Stall, um den Adler durch einen letzten Gefallen zu begütigen, hoffend, sein Trog werde nun bald wieder mit Hafer gefüllt sein.
Bald darauf war sein Trog wieder gefüllt und sein Fell wurde glänzend und voll. Der Schäfer lächelte, glücklich über das Lamm. Zum Dank schor er ihm das Winterfell und befreite das Lamm so vor der sommerlichen Hitze. Da dachte das Lamm: “Es ist besser, seine Wolle zu Markte zu tragen, als sein Fell zu verlieren.”


Rückwärts

Mein Vermieter grüßte mich freundlich, als wir uns auf der Straße begegneten. Ich hatte meine Miete schon am Zweiten bezahlt. Kaum zehn Tage zuvor hatte ich dem Leiter der Marketingabteilung die Rechnung gestellt für meinen Auftrag gestellt. Nun konnte ich wieder beruhigt arbeiten. Ich dachte daran, wie ich meinem Kunden die Aufstellung der einzelnen Leistungen nachgereicht hatte. Für die Steuer, wie er mir erklärt hatte. Am gleichen Tag hatte ihm schon meine Arbeit präsentiert. Gleich, als ich in sein Büro kam, war ich freundlich begrüßt worden.


Traum

Schemenhaft sah ich einen älteren Mann, der mir väterlich freundlich die Hand drückte. Es war von Texten die Rede, die ich für seine Firma geschrieben hatte. An die Details erinnere ich mich nicht. Ich glaube es war die Marketingabteilung eines mittelständischen Unternehmens, denn der Raum, in dem das geschah, war groß und kühl und modern eingerichtet. Immer wieder drückte mir der Mann die Hand. In irgendeiner Ecke des Raumes stand eine große Flasche aus Kunststoff, ein Werbemittel, wie ich vermute. Ich weiß noch, dass ich dann wieder ging, nachdem ich dem Mann noch etwas versprochen hatte.
Dann traf ich einen anderen Mann, der mir freundlich zuwinkte. Er sagte mir, ich dürfe nun weiterleben, wie bisher. Komischerweise verstand ich jedes Wort, obwohl er mich von der gegenüberliegenden Straßenseite aus ansprach. Ich fühlte mich glücklich und anerkannt. Dann erwachte ich. Es war sechs Uhr morgens. Ein harter Tag lag vor mir.


Prophezeiung

Wenn du deine Arbeit erledigt haben wirst, wird dich der Leiter der Marketingabteilung in sein Büro bestellen. Und siehe, er wird dir die Hand geben und sagen, dass es gut war, was du getan hast. Dann wird er dich um noch einen Gefallen bitten. Und wenn du diesen Gefallen umgehend erfüllst, wird sich deine finanzielle Lage bald schon verbessern. Du wirst deine Miete überweisen können und glücklich sein. Und wenn du dann deinem Vermieter begegnest, wird er freundlich sein zu dir und dich mit einem Lächeln begrüßen. Und du wirst erkennen: “Es war gut so. Ich habe recht getan.”


Regenbogen

In dem Büro lag ein blauer Teppich. Der Mann trug einen rotes Jackett und eine gelb gestreifte Krawatte. Unter dem Fenster stand ein grüner Strauch. Durch die Schlitze der Jalousie fiel das Sonnenlicht. Es war ein herrlich sonniger Tag. Noch einmal überging der Mann die Texte, die ich auf blütenweißem Papier ausgedruckt hatte. Im Rücken der Mappe lag die CD-ROM, die in allen Farben des Regenbogens schimmerte, wenn man sie im Tageslicht drehte. Der Mann sagte mir, er sei nun zufrieden, es sei eine glänzende Arbeit, und ich könne die Rechnung stellen.
Ein Lichtstrahl blendete mich, als ich den Vermieter auf der Straße traf. Das Glas meiner Brille teilte das weiße Licht in alle Farben. Dennoch bemerkte ich, wie er die Hand hob, und erwiderte freundlich seinen Gruß. Dann, als ich meine Stirn mit meiner Hand beschirmte, um zu erkennen, wen ich gegrüßt hatte, schien er zu lachen. Ich glaube, er dachte, ich habe salutiert.


Zögerlich

Ich weiß nicht mehr genau, wie sich das abspielte …Vermutlich empfing mich der Kunde in seinem Büro. Meinen Unterlagen entnehme ich, dass es der Zwanzigste war. Denn ich weiß noch, dass ich am selben Tag die Rechnung stellte. Wahrscheinlich gab er mir die Hand und sagte, dass ich den Auftrag … es waren Werbetexte für eine neue Kampagne … dass ich den Auftrag zu seiner Zufriedenheit erledigt habe …Jedenfalls habe ich aus dem Honorar dann meine Miete bezahlt …Nur dass mein Vermieter mich sehr freundlich gegrüßt hat, als wir uns am Zehnten des folgenden Monats …War es der Zehnte? … als wir uns damals begegnet sind, weiß ich noch genau. Denn er freut sich jedes Mal, wenn ich meine Miete pünktlich überweise.


Genau

Am 20. März um 10.12 Uhr betrat ich das Büro des Marketingchefs der Brauerei in D. Nachdem wir uns freundlich begrüßt hatten, übergab ich ihm die Texte, die ich in einer orangefarbenen Mappe, den Farben meiner Firma, zusammengestellt hatte und sagte zu ihm, dass ich alle Änderungswünsche eingearbeitet habe, wie er sich das bei unserem letzten Meeting gewünscht hatte. Er setzte seine Lesebrille auf und überflog an seinem Schreibtisch sitzend die Texte.
Dann meinte er, er sei zufrieden mit meiner Arbeit und bat mich die Rechnung zu stellen und eine detaillierte Aufstellung meiner Leistungen beizufügen, die er für das Controlling brauche. Ich versprach, seinem Wunsch noch am selben Tag nachzukommen. Er lächelte und wir verabschiedeten uns.
Nach dem Mittagessen, das ich beim Italiener einnahm, ging ich in mein Büro. Das Übrige war schnell erledigt. Um 16.30 ging ich zum Postschalter und übergab der Angestellten den Briefumschlag mit der Rechnung, damit dieser noch mit der 17 Uhr Post rausgehen konnte.
Als ich zehn Tage später, am 1. April um 14 Uhr am Kontoauszugsdrucker im Foyer der Bankfiliale stand und mir die Auszüge ansah, stellte ich fest, dass die Brauerei die Rechnung beglichen hatte. Erleichtert darüber besorgte ich mir in der Bank ein Überweisungsformular und überwies die Miete des laufenden Monats für mein Büro. Dann ging ich zurück an meinen Schreibtisch und dachte über einen neuen Auftrag nach.
Eine Woche später traf ich am Vormittag, ich hatte gerade Brötchen geholt, meinen Vermieter auf der Straße. Er war anscheinend auf dem Weg zum Friseur. Er winkte mir freundlich zu und wünschte mir einen guten Tag, wobei ich nicht genau verstand, was er sagte, weil er auf der anderen Straßenseite stand. Anscheinend freute er sich darüber, dass ich die Miete pünktlich überwiesen hatte.


Perspektive I

Der Werbetexter, ein dicklicher Typ mit grauen Schläfen, machte einen nervösen Eindruck, als er in mein Büro kam. Nachdem er sich ein Lächeln abgerungen hatte, überreichte er die Mappe mit den Texten, die ich bei ihm bestellt hatte und mit ein paar Änderungswünschen bereits abgesegnet hatte. Ich überflog die Texte. Es war gute Arbeit, das musste ich zugeben, obwohl dieser Typ ein bisschen komisch wirkte. Ich sagte ihm, er könne, wie vereinbart, die Rechnung stellen und gab ihm die Adresse der zuständigen Abteilung.
Nun konnte ich endlich den Versagern von der Werbeabteilung ordentlich in den Arsch treten. Dieser Komiker hatte in einer Woche erledigt, was unsere aalglatten Jungs in drei Wochen nicht auf die Reihe bekommen hatten.


Perspektive II

Ich wollte gerade zum Friseur gehen und mir die Haare machen lassen, als ich L. auf der gegenüberliegenden Straßenseite sah. Ich wunderte, dass er um diese Zeit einkaufen ging. Aber in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass abends oft noch Licht in seinem Büro brennt. Wahrscheinlich ist er ein Nachtarbeiter. Ist ja nicht ungewöhnlich bei diesen kreativen Typen. Dieser L. hat sich vor einem halben Jahr bei mir eingemietet. Ich bin froh, jemanden gefunden zu haben, denn in letzter Zeit gab es viele Pleiten. Jedenfalls habe ich ihn gegrüßt und er hat zurückgewunken. Dann aber hat er die Hand über seine Brille gehalten und kurz gezögert. Irgendwie hat dieser Typ was Linkisches. Aber solange er seine Miete pünktlich überweist, soll mir das egal sein.


Erzählung

An diesem Tag betrat Herr L. aus H. beschwingt das Büro des Marketingchefs der Brauerei in D. Er war glücklich, den Auftrag, der ihm soviel Mühe gemacht hatte, endlich abgeschlossen zu haben. Der Marketingchef überflog die Texte. Mit routiniertem Blick überprüfte er, ob L. sämtlichen Änderungswünschen nachgekommen war. Zufrieden grunzend legt er die Mappe auf den Schreibtisch und sagte, L. könne die Rechnung stellen. Freudig verabschiedete sich dieser und fuhr zurück in sein Büro.
Am Siebten des folgenden Monats las L. in der Morgenzeitung, dass die Brauerei in D. ihre Werbeabteilung auflösen und diese Arbeit einer Agentur in Düsseldorf übertragen werde. Zuerst wunderte er sich nur und ging Brötchen holen.
Als er die Bäckerei verließ, sah er seinen Vermieter auf der anderen Straßenseite, den er zuerst nicht erkannte, weil ihn die Sonne blendete. Einen Moment lang stand L. unsicher vor dem Eingang der Bäckerei.
Plötzlich fiel ihm ein, was passiert sein musste. Eilig ging er zurück in sein Büro und überlegte, ob er den Marketingchef um weitere Aufträge bitten sollte. Als er schließlich bei dessen Sekretärin anrief, war dieser aber nicht zu sprechen.


Crime time

Der Kommissar saß an seinem Schreibtisch und rauchte. Wenn dieser Marketingchef Feinde gehabt hatte, musste er sie innerhalb der Firma suchen. Aber jeder der infrage kommenden Täter hatte ein Alibi. Der Fall bereitete ihm Kopfzerbrechen. Sein Chef saß ihm im Nacken und seine Frau beklagte sich schon wegen der vielen Überstunden. Irgendetwas musste er übersehen haben. Vielleicht unter den Beweismitteln. Die Durchsuchung des Büros hatte bisher nichts Greifbares ergeben.
Er ließ sich von seinem Assistenten noch einmal alle sichergestellten Stücke übergeben. Da fiel ihm eine orangefarbene Mappe auf. Er blätterte die Texte durch. Es handelte sich um einen Geschäftsbericht. Diesem folgte der Entwurf für eine neue Kampagne der Brauerei. Komischerweise kamen ihm die Slogans bekannt vor. Ja richtig, er kannte sie von den Werbeplakaten, die vor zwei Wochen an jeder Straßenecke aufgetaucht waren.
Aber die Texte in der Mappe stammten nicht von der Agentur, die den Auftrag bekommen hatte.
Ein freier Mitarbeiter vielleicht? An sich nichts Ungewöhnliches.
Dennoch entschloss sich der Kommissar, der Sache nachzugehen. Er drückte seine Zigarette aus und verließ sein Büro. “Diesen Vogel werde ich mir vorknöpfen“, sagte er zu sich, als er in seinen Wagen stieg.


Georg Büchner

Marketingchef sitzt am Schreibtisch und studiert die Texte, die Woyzeck ihm übergeben hat.
Marketingchef: Langsam, Woyzeck, langsam; eins nach dem anderen. Er macht mich ja ganz schwindlig mit seinem Eifer. Was soll ich denn mit meiner Zeit heute anfangen, wenn er immer so schnell arbeitet. Woyzeck, bedenk er, er hat noch seine schönen dreißig Jahr zu leben, dreißig Jahr. Was will er denn mit seiner ungeheuren Zeit all anfangen? Teil er sich ein, Woyzeck!
Woyzeck: Jawohl, Chef.
Marketingchef: Woyzeck, er sieht immer so verhetzt aus. Ein guter Mensch tut das nicht, ein guter Mensch, der sein gutes Gewissen hat. - Red er doch Woyzeck! Wie stehen heute seine Geschäfte?
Woyzeck: Gut, Chef, gut: Viel Arbeit.
Marketingchef: Ich spür´s schon. Es ist so was Geschwindes draußen. Die Menschen haben ein Tempo. Ich glaub` es ist die Rezession.
Woyzeck: Jawohl, Chef.
Marketingchef: Ha, ha, Rezession! Er ist dumm, ganz abscheulich dumm. (Gerührt) Woyzeck, er ist ein guter Mensch. Aber … er hat die falsche Moral. Moral, das bedeutet, wenn man zu moralisch ist. Es ist kein gutes Wort. Er hat schon ein Kind mit dem Segen der Kirche. Es ist nicht von mir.
Woyzeck: Ach, wir armen Freien! Sehen Sie, Chef: Geld, Geld! Wer kein Geld hat. Das setzt einmal einer seinesgleichen auf die Moral in der Welt. Man hat sein Fleisch und Blut und muss sich immerzu verkaufen. Unsereins ist doch einmal unselig in dieser und jener Welt. Ich glaub, wenn ich in den Himmel käme, müsste ich in der Schreibstube dienen.
Marketingchef: Gut Woyzeck. Du bist ein guter Mensch, ein guter Mensch. Aber du denkst zu viel, das zehrt; du siehst immer so verhetzt aus. - Der Diskurs hat mich ganz angegriffen. Vergiss nicht, mir die Rechnung zu stellen. Geh jetzt, und renn nicht so.


Shakespeare

(Im Büro des Marketingchefs)
Marketingchef: Willst du schon gehen? Es ist noch lange bis zum Abend. Das war mein Handy und nicht die Kirchturmuhr, was dich vorhin erschreckte. Es pflegt zu jeder Zeit zu singen, mein Herz, und ich weiß nicht, wie zum Schweigen ich es bringen soll.
Texter: Es war die Kirchturmuhr, Herold der wohlverdienten Abendruhe. Schon sehe ich, mein Lieber, die neidischen Streifen, die dort im Westen die sich versammelnden Wolken umwinden. Die Neonröhren werden sich entflammen und der Abend guckt auf Zehen stehend über die Spitzen der warmen Berge. Ich muss gehen und leben oder bleiben und sterben.
(Texter geht ab)
Marketingchef: (Ihm nachrufend) Die Rechnung, Liebster, die Rechnung!
(Sekretärin im Vorzimmer lacht schallend)


Goethe

Euro Gnaden,
wie froh ich bin, dass ich weg bin! Bester Freund und Auftraggeber, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein. Ich weiß, du verzeihst´s mir. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meinige zu ängstigen vor eurer Großzügigkeit.
Die arme Leonore! Und doch bin ich unschuldig? Konnt´ ich dafür, dass deine eigensinnigen Reize, mir so eine angenehme Unterhaltung verschafften, dass eine Leidenschaft in meinem ärmsten Herzen sich zu bilden begann. Habe ich nicht eure Empfindungen genährt? Hab` ich nicht an den ganzen wahren Ausdrücken der Werbung, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich dieses Geschäft auch sein, mag, mich ergetzt?
Ich will teurer Freund, ich versprech`s dir, ich will mich bessern. Nur bitte, vergiss nicht, die Rechnung zu begleichen, denn wo sollten ich und Charlotten sonst hin, wenn wir die Miete nicht bezahlen möchten.
Mit untertänigsten Grüßen an Ihro Gnaden,
Werther.


Kafka

Gregors Blick richtete sich zum Fenster und das trübe Wetter - man hörte die Regentropfen auf das Fensterblech aufschlagen - machte ihn ganz melancholisch. “Wie wäre es, wenn ich bald gehen könnte und diese Narrheiten, Texte und Geschäftsberichte, vergessen könnte“, dachte er, aber das war gänzlich undurchführbar, denn er war es gewöhnt, von Morgens bis Abends zu arbeiten und konnte sich nicht vorstellen, einen Kunden warten zu lassen. Mit welcher Kraft auch immer er sich ins Leben warf, immer wieder fiel er in die Rückenlage zurück. Er hatte es wohl hundertmal versucht. Nun schloss er seine Augen, um Klamm nicht Zappeln sehen zu müssen an seinem Schreibtisch. Erst als er in seiner Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann, öffnete er sie wieder. Klamm räusperte sich hörbar.


Dieter Bohlen

Es war ein Volltreffer. Der Marketingchef und ich verabredeten uns nur noch einmal zur Probe und schon wurde er Dauerkunde bei mir. Praktisch heirateten wir. Denn das war unmöglich, bei seiner Begeisterung den Auftrag nicht zu nehmen. Er brüllte fast die ganze Zeit: “Unmöglich, unmöglich“, als er die Texte durchging. Ich hatte nämlich schon damals das, was mich heute noch auszeichnet: Eine ungeheuer gute Schreibe.
Kaum zehn Tage später war die Kohle auf meinem Konto. Als Erstes schmiss ich Naddel raus. Dann ging ich zum Ferrarihändler, bestellte mir einen Gebrauchten und leistete eine dicke Anzahlung. Mit diesem Schlitten würde ich alle Mädels zwischen hier und Paderborn aufreißen. Soviel war sicher. Beinahe hätte ich meinen Vermieter überfahren, als ich mit der Karre die Hauptstraße von H. hinunterpfiff. Man hat der blöd geglotzt.


Herbert Grönemeyer

Momentan ist richtig,
Momentan ist gut.
Nichts ist wirklich wichtig.
Nach der Ebbe kommt die Flut.
Am Schreibtisch des Lebens,
ohne Grund, ohne Verstand,
ist nichts vergebens.
Ich schreibe Träume auf Papier und Sand.
Und es ist, wie es ist,
alles auf dem Weg,
und es ist Sonnenzeit,
unbeschwert und frei.
Und der Texter heißt Texter,
weil er nichts vergisst,
weil er nichts verdrängt,
weil er schwärmt, wenn er schreibt,
weil er wärmt, wenn er erzählt.